Antimuslimischer Rassismus in Österreich auf Rekordniveau
Der aktuelle Antimuslimische Rassismus Report 2025 der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit & antimuslimischer Rassismus (Dokustelle Österreich) zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Mit 1.684 registrierten Vorfällen wurde im vergangenen Jahr der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen verzeichnet.
Die dokumentierten Fälle zeigen, dass antimuslimischer Rassismus für viele Muslim:innen in Österreich weiterhin Teil ihrer Lebensrealität ist. Besonders betroffen sind Frauen, die häufig mehrfachen Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt sind. Die Vorfälle reichen von Hassrede und Beleidigungen über institutionelle Benachteiligungen bis hin zu physischen Übergriffen.
Laut Bericht fanden nahezu zwei Drittel aller dokumentierten Vorfälle im digitalen Raum statt. Gleichzeitig verweist die Dokustelle auf eine zunehmende Verrohung des gesellschaftlichen Klimas sowie auf einen Zusammenhang zwischen öffentlichen Debatten und dem Anstieg gemeldeter Vorfälle. Insbesondere Diskussionen rund um religiöse Symbole und muslimisches Leben in Österreich hätten sich auf das Sicherheits- und Zugehörigkeitsgefühl vieler Betroffener ausgewirkt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch Fälle institutioneller Diskriminierung. Der Bericht verweist auf Erfahrungen von Schülerinnen, die bereits vor Inkrafttreten gesetzlicher Regelungen zum Kopftuch in Schulen unter Druck gesetzt oder benachteiligt wurden. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen Defizite im Gesundheits- und Justizbereich auf, die das Vertrauen Betroffener in staatliche Institutionen nachhaltig beeinträchtigen können.
Mit großer Sorge werden zudem schwerwiegende Gewalttaten erwähnt, darunter auch Schüsse auf eine Moschee in Niederösterreich. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich sieht diese Entwicklungen mit Besorgnis. IGGÖ-Präsident Ümit Vural betont: „Die steigende Zahl antimuslimischer Übergriffe ist nicht nur ein Problem für Muslim:innen. Sie ist ein Warnsignal für unsere gesamte Gesellschaft. Wo Menschen aufgrund ihrer Religion ausgegrenzt werden, geraten Zusammenhalt, Respekt und demokratische Werte unter Druck.“
Antimuslimischer Rassismus gefährdet nicht nur die Betroffenen unmittelbar, sondern stellt eine Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratischen Grundwerte unseres Landes dar. Jeder Mensch hat das Recht, seine Religion frei und ohne Angst vor Diskriminierung, Ausgrenzung oder Hass auszuüben.
Die IGGÖ dankt den Mitarbeiter:innen der Dokustelle für ihre wichtige Arbeit in der Dokumentation, Beratung und Unterstützung von Betroffenen. Zugleich braucht es verstärkte Anstrengungen auf gesellschaftlicher, politischer und institutioneller Ebene, um Vorurteile abzubauen, Chancengleichheit zu fördern und jede Form von Rassismus entschieden zu bekämpfen. Ein respektvolles Miteinander, gegenseitige Anerkennung und die Wahrung der Menschenwürde aller Menschen bilden die Grundlage für ein friedliches und starkes Österreich.
